Leoben ist eine kleine Universitätsstadt, wodurch sich besonders hier das studentische Brauchtum, welches aus Schemnitz mitgebracht wurde gepflegt wird. Dieses Brauchtum wird nicht zuletzt durch die verschiedenen Korporationen getragen, welche dadurch einen festen Platz im Leben und im Erscheinungsbild der Stadt haben. Im folgenden findest du informationen über das in Leoben gepflegte studentische Brauchtum:
- Matrikelscheinübergabe
- Der Ledersprung
- Akademische Feier
- Der (Bier)Auszug
Des weiteren pflegen die Koporationen eigenes individuelles studentisches Brauchtum. Dazu gehört zum Beispiel die Kneipen welche die Geselligkeit fördern, dem stillen und einsamen Trinken und Singen entgegenwirken. Diese Veranstaltungen werden zum Teil durch den Biercomment geregelt, wodurch eine gewiese Disziplin (Kneipdisziplin) aufrecht erhalten wird. Solche gemeinsamen Veranstaltungen sind nicht nur rein intern. Es sind auch Gäste sehr wilkommen.
Matrikelscheinübergabe
Die Matrikelscheinübergabe findet am Tag des Ledersprunges in der Aula der Montanuniversität statt. Es sind die Erstsemestrigen, der Rektor, sowie einige Professoren und Ehrengäste anwesend und tragen in der Regel den Bergkittel. Ebenfalls ist anwesend je ein Chargierter der jeweiligen Kooperationen. Vor den Chargierten nimmt der Hochschulchor Aufstellung. Es werden 3 Bergmannslieder gesungen, zwischen den Liedern hält der Rektor und der ÖH- Vertreter eine Ansprache. Danach wird den Erstsemestrigen der Matrikelschein, die Bestätigung für die Aufnahme an der Universität, vom Rektor persönlich mit einem Handschlag - an einer Massenuniversität undenkbar - überreicht. Die Matrikelscheinübergabe ist somit der erste Kontakt der Erstsemestrigen mit dem Brauchtum an der Montanuniversität.
Der Ledersprung
Kein Beruf hängt so sehr an alten Überlieferungen wie der des Bergmannes. Zu seiner Welt gehören die verschiedensten Bräuche, denen er mit besonderer Liebe zugetan ist. Ein solches Brauchtum ist der Ledersprung, der noch heute in ganz wenigen Städten vollzogen wird. Der Ledersprung wird im Rahmen eines Festes veranstaltet. Die tiefe Bedeutung liegt im Sprung über das Bergmannsleder dem so genannten Arschleder in eine andere Welt, die voll Mühen und Gefahren eine andere Einstellung zum Leben erfordert. Das Leder, auf dem man in früheren Zeiten in die Tiefe der Erde rutschte, ist zum Sinnbild dieser Arbeitswelt geworden. Noch heute verwendet man das Leder in Schaubergwerken, um Besucher sicher und ohne Verletzungen in die alten Stollen rutschen zu lassen, daher auch der Name Arschleder. Der Sprung bedeutet Mut. Mit beiden Füßen zugleich springt man in den neuen, frei gewählten Beruf, der kein Stolpern verträgt, wohl aber rasche Entschlossenheit und Tatkraft verlangt. So ist der Ledersprung heute in Leoben noch üblich, um die jungen Studenten feierlich in ihren neuen Stand aufzunehmen. Er stellt eine alte Bergmannssitte dar, nämlich einen Aufnahmeritus, der vor zirka 150 Jahren aus dem heute slowakischen Erzbergbau-Revier von Schemnitz nach Leoben kam. Ähnliche lnitiationsfeiern sind auch aus den Handwerkszünften bekannt und lassen sich auch bei anderen Völkern in Form von Bräuchen feststellen, die wichtige Lebensabschnitte einleiten. Der Ledersprung wird gegenwärtig so abgehalten, dass am Festtag, der nahe dem Barbaratag liegt, die Neuaufzunehmenden Erstsemestrigen antreten, mit dem Bergkittel angetan, und nach Beantwortung mehrerer Fragen von einem kleinen Bierfass aus über das Leder springen. Dieses Leder wird vom Rektor der Montanuniversität und dem ältesten anwesenden Bergmann gehalten. Die Fragen lauten: Dein Name? Deine Heimat? Dein Stand? Dein Wahlspruch? Der Springer gibt die entsprechenden Antworten. Nach der Aufforderung: „So spring in deinen Stand und halt ihn stets in Ehren!“, leert er ein Glas Bier, das er in der rechten Hand hält, und springt dann über das Arschleder. Als Stand ist Bergmann, Hüttenmann, Erdölmann, in letzter Zeit häufig Umweittechniker und so weiter anzugeben. Damit sind der Eintritt in den jeweiligen Stand vollzogen und ein Treuegelöbnis dem erkorenen Beruf gegenüber in feierlicher Weise abgelegt. Das Fest des Ledersprunges ist aber nicht nur eine Aufnahmefeier der neuen Montanisten, sondern auch eine riesige Veranstaltung, die seinesgleichen in Europa sucht. In abwechselnder Reihenfolge, nach ihrem Gründungsdatum, werden die Korporationen der Universität mit der Durchführung des Ledersprunges betraut. Dieser findet immer am Freitag vor dem Tag der heiligen Barbara statt. Die Erstinskribenten, die bei keiner Verbindung Mitglied sind, springen als Gäste bei einer der Korporationen mit und somit können alle Leobner Studenten diesen wunderbaren Abend miterleben. Als Austragungsort wird jedes Jahr die Oberlandhalle, eigentlich eine Viehversteigerungshalle gewählt, die wegen ihrer einmaligen Stimmung sich bestens für dieses Fest eignet. Die Chargierten der Verbindungen ziehen zu Beginn mit etwa 20 Professoren ein und eröffnen den Festakt, Es werden Studenten- und Bergmannslieder gesungen, und einige Bierchen werden auch getrunken. Gegen 21.00 Uhr folgt der Einzug der Springer, die mit dem Lied Fuxenritt: „Was kommt dort von der Höh“ in das Oval der Halle einziehen. Ein Springer einer Verbindung hält nun eine Rede, die sich meist in lustigen Worten mit den ersten Eindrücken eines jungen Montanisten von der Universität und der Stadt Leoben auseinandersetzt. Als nächste Rede folgt die Burschenrede, bei der ein Bursch der durchführenden Verbindung ein Thema der ernsten Gegenwart wählt. Die dritte Rede wird vom Rektor der Montanuniversität gehalten, in der öfters in launiger Weise einige Tatsachen der Hochschulpolitik und ähnliches aufs Korn genommen werden. Dazwischen werden wieder Lieder gesungen, und in der Halle entsteht eine immer fröhlichere und ausgelassenere Stimmung. Nun folgt der eigentliche Akt des Ledersprunges. Die Springer stellen sich nacheinander hinter dem Bierfass auf und warten gespannt auf ihren Auftritt. Unter großem Beifall aus den Rängen springen unsere neuen Professoren und die jungen Studenten in ihren Stand. Nach dem letzten Springer beendet die Burschenherrlichkeit den Ledersprung. Das war es aber noch lange nicht. Im Anschluss zieht jede Verbindung mit ihren Gästen und Springern zurück auf ihr Verbindungshaus dort stärkt man sich bei einigen Broten, um die notwendige Kraft für den restlichen Abend zu haben. Wenn es langsam wieder hell wird, ziehen die letzten launigen Studenten nach Hause, um sich den notwendigen Schlaf für das nun folgende Wochenende zu holen. Jeder, der am Ledersprung einmal aktiv teilgenommen hat, wird auch in den folgenden Jahren als Besucher wiederkommen, um von den Gästerängen den nun neuen Springern zuzusehen und diese einmalige Stimmung wieder zu erleben.
Die Akademische Feier
Die Akademische Feier ist das Letzte, was einem Studenten in seiner Laufbahn widerfährt. Die Graduierung zum Diplomingenieur. Ein feierlicher Festakt bei dem den Absolventen feierlich ihre Diplomurkunde überreicht wird. Aber damit endet diese Veranstaltung nicht. Auch die frischgebackenen Doktoren wollen geehrt werden, und neue Professoren werden vorgestellt. Dazwischen trägt der Unichor Lieder vor, Reden werden gehalten, und auch andere kulturelle Einlagen werden geboten. Auch werden bei dieser Feier die Stipendien an Studenten mit besonderen Leistungen übergeben. Ein ganz besonderes ist das Stipendium der zehn Leobener Korporationen. Es wurde ins Leben gerufen, um Studenten zu ehren, die nicht nur gute Studienleistungen, sondern auch soziales und Vereinstätiges Engagement gezeigt haben. Vergeben werden zweimal zwanzigtausend Schilling, die Vergabekriterien sind erfolgreiches Absolvieren des ersten Studienabschnittes und außerdem noch Engagement: z.B. OH-Arbeit oder Chargentätigkeit in einer Verbindung. Veranstaltungen wie diese gibt es an den meisten österreichischen Universitäten, aber in Leoben gibt es eine Besonderheit, die überall anderswo aus dem universitärem Bild verschwunden ist. In Leoben wird nach wie vor an Akademischen Feiern sowie bei der Matrikelscheinübergabe (einzigartig in Osterreich) oder Inaugurationen (Amtsübergabe an einen neuen Rektor) chargiert. Was bedeutet es eigentlich, wenn sich Couleurstudenten in Vollwichs (Galauniform) hinter den Professoren auf dem Podium aufstellen? Eine studentische Minderheit, die sich zu profilieren sucht? Nein, keineswegs! Die Chargierten stellen nach wie vor in Leoben die studentische Ehrengarde als symbolischer Schutz für das Professorenkollegium: Eine Tradition, die überall anders in Österreich verloren gegangen ist, und die die Leobener Feiern ganz besonders auszeichnet. Der Zusammenhalt unter den Montanistert die familiäre Situation an der Uni, das Einstehen füreinander und der (symbolische) Schutz für Leib und Leben der Professoren - gleichsam als Verteidigung der freien Wissenschaft. Wenn Du es geschafft hast und dein Diplom überreicht bekommst, wird die Ehrengarde auch für Dich stehen.
Der (Bier)Auszug
Geschichtlich bedeutet dies, dass der Student in Schemnitz, der sein Studium abgeschlossen hat, von den älteren Studenten vor das Tor der Stadt gebracht wird, um dann hinaus in die Welt zu ziehen, um sich einen Arbeitsplatz zu suchen. Heute wird dieser Brauch in leicht abgewandelter Form noch durchgeführt, und zwar jeweils gegen Ende des Sommersemesters. Diejenigen Studenten, die das große Absolutorium absolviert haben, d.h. alle Übungen positiv abgeschlossen haben und alle notwendigen Vorlesungen ordnungsgemäß inskribiert haben, von denen man annimmt, daß sie im verlauf der kommenden Jahres fertig werden, sind sie Auszügler. Jede Verbindung stellt zwei Chargierte. Der Auszug formiert sich mit den Chargierten vorweg vor der neuen Portale. Den Chargierten folgt ein Gösser - Bierwagen mit den Auszüglern und diesem Wagen schließen sich die Verbindungsstudenten, nach Semestern geordnet (2., 4., 6., 8., 10.) an. Dann folgt im größeren Abstand die Gruppe der Verbummelten. In ihr sammeln sich alle jene, die über das 10. Semester bereits hinaus sind und das große Absolutorium noch nicht erreicht haben und jene, die es bereits erreicht haben, jedoch noch nicht fertig geworden sind. Dieser Zug bewegt sich nun von der neuen zur alten Portale, wo er von einer Abordnung von Professoren erwartet wird. Der Rektor hält eine kurze Ansprache an die Auszügler, dann wird das Gaudeamus (1. und 4. Strophe) gesungen. Bei letztere präsentieren die Chargen die Schläger. Dann formiert sich der Zug wieder und bewegt sich über den Hauptplatz zum Barbarabrunnen, wo dann ein Vertreter der Stadt Leoben eine Ansprache hält. Nach dem Leobener Lied zieht der Zug dann zu einem freien Platz, wo dann eine Kneipe stattfindet.